Monat: Mai 2013

Angst – 7.Teil

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Angst

Wie von der Tarantel gebissen schoss er hoch. Es war stockfinster um ihn herum. Panisch blickte er in die Dunkelheit.

Von Boden ertönte das mehrstimmiges Schnarchen der Hunde, doch das war es nicht, was ihn geweckt hatte.

Irgendetwas war hier.

Nachdem er die Nachttischlampe eingeschaltet hatte, saß er  unruhig im Bett und lauschte.

Was hatte ihn nur alarmiert.

Bestimmt war es nur Einbildung, nach den ganzen Erlebnissen des Tages kein Wunder, schalt er sich selber.

Doch nach einigen Minuten, die Tom allerdings wie Stunden vorkamen, stand er leise auf und schlich zur Tür.

Denn ihm war klar, dass er nicht würde schlafen können, ehe er nicht nachgeschaut hatte.

Innerlich fluchend, öffnete er die knarzende Tür und schaltete das Licht im Flur ein.

Im Dunkeln würde er garantiert nicht durch die Gänge laufen, soviel war sicher. Hinter ihm knackte es plötzlich laut und er fuhr herum. Doch er starrte nur in ein verschlafenes Hundegesicht.

Vor Erleichterung hätte er am Liebsten laut gelacht, doch da fuhr ihm auf einmal ein Schauer über den ganzen Körper und auch die Hündin zuckte zusammen.

Soviel zu meiner blühenden Fantasie dachte Tom, und wandte sich zögernd wieder dem Gang hinter sich zu.

Pauline schloss sich ihrem Herren an und gemeinsam tapsten sie über den staubigen Teppich Richtung Treppe.

Das alte Holz knackte wiederstrebend unter seinem Gewicht und es kam ihm unendlich laut vor. Wovon auch immer er aufgewacht war, nun war klar, dass er wach war.

Mit einem Mal knallte und schepperte es enorm im oberen Stockwerk. Tom vergaß nun alle Vorsicht und eilte nach oben. Dicht gefolgt von der riesigen Hündin folgte er dem Lärm und stand kurz darauf in seinem alten Zimmer.

All seine alten Sachen, Spiele und Poster waren noch hier, doch schenkte er dem keinerlei Beachtung. Denn das zersplitterte Fenster auf der gegenüberliegenden Seite lies den Wind durch den Raum pfeifen und die zerfetzten Klamotten auf dem Boden flattern.

Langsam ging er in die Hocke und sah sich die Kleidung an. Es waren ohne Zweifel alte Anziehsachen von ihm. Nur waren sie, als er sie das letzte Mal gesehen hatte, heile und gut in Schuss gewesen. Nun waren sie in kleine Stücke zerrissen.

Und daneben, halb unter den Tisch geweht, lag noch etwas. Tom zog das kleine Blatt hervor und atmete scharf ein; es war ein Foto von ihm und seiner Mutter. Nur war es zerrissen. Und voller Blut.

Die Tür schlug hinter ihm mit voller Wucht ins Schloss und Pauline fing im selben Moment an zu jaulen.

Dann ging das Licht aus.

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6.Teil – Ruhe

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 Ruhe

Kurz vor Ladenschluss schaffte Tom es zum einzigen Lebensmittelgeschäft des Ortes. Die aufgedrehten Hunde bis hier zu bekommen, war keine leichte Aufgabe gewesen.

Doch geschafft war geschafft.

Eilig betrat er den kleinen Laden und wurde mit dem schrillen Klingeln eines uralten Türglöckchens gegrüßt.

Zielstrebig ging er an den wenigen, kaum beleuchteten Regalen entlang und suchte sich Brot, Wurst, Fleisch und andere Lebensmittel zusammen. Voll bepackt trat er an die Kasse und wich den Gesprächsversuchen der alten Frau Wichmann aus, indem er meinte „Es tut mir wirklich leid, aber Sie hören ja, welchen Lärm die Drei da draußen veranstalten“. So schnell er konnte, ohne das es nach einer Flucht aussah, verließ er das Geschäftchen und trat in die kühle Abendluft.

„Danke, das ihr so nervtötend gebellt habt, Leute“, lobte er die Rottweiler, während er die springenden und kläffenden Tiere losmachte und sich auf den Rückweg machte.

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Beladen mit Nahrungsmitteln und Hundefutter stapften sie die Dorfstraße entlang nach Hause.

Zuhause, was für ein seltsames Gefühl, dachte sich Tom. So hatte er seit Ewigkeiten von keinem Ort gedacht. Sein wahres Heim war hier, an dem Ort, den er mehr als jeden anderen auf der Welt hasste.

Nachdem er seine Einkäufe verstaut hatte, inspizierte er das kleine Bad am anderen Ende des muffigen Flures. Zumindest war es sauber und Handtücher waren ordentlich gestapelt im Schrank vorhanden. So konnte er sich duschen und umziehen. Das heiße Wasser würde ihn etwas entspannen. Was nach diesem Tag dringend nötig war.

Da er wusste, dass er dem Thema nicht mehr weiter ausweichen konnte,  seufzte er und ging in das Schlafzimmer seiner Mutter.

Hier also würde er schlafen, denn sein altes Kinderzimmer bewohnten inzwischen Unmengen von Spinnen und anderen Untermietern. Zudem lag es im toten Teil des großen Hauses und er verspürte wenig Verlangen, sich dort aufzuhalten.

Tom stand mitten im Raum, ohne sich zu rühren und lauschte.

Jedes Haus, gerade aber alte Gebäude, hatten ihre eigene Musik. Sie knarrten, ließen den Wind jaulen und waren nie still.

Dieses jedoch war stumm. Es war nicht einfach nur leise, sondern die komplette Abwesenheit jeglicher Töne.

Und wie ein Splitter in seinen Kopf, so bohrte sich die Gewissheit langsam in sein Bewusstsein, dass alles, was damals hier gewesen war, noch immer herrschte.