Monat: März 2014

Wahn

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Er saß zitternd auf dem kalten Fußboden seines alten Zimmers. Mitten in der Nacht war er aufgeschreckt und hier hochgerannt.
Seitdem hockte er hier, komplett in kalten Schweiß gebadet.
Die Ruhe der letzten Tage war wie weggeblasen.

Im Stockdunkeln umklammerte er seine angezogenen Knie und drängte sich noch weiter in die Ecke zwischen Schreibtisch und Wand. Am Liebsten wollte er sich verkriechen.
Aus dem Flur hörte man das Kratzen der Hundekrallen an der Tür. Doch die hatte er hinter sich zugemacht, denn niemand sollte zu ihm reinkönnen. Niemand.

Alte Tür

Auch das Winseln interessierte Tom nicht. Er lauschte nur auf eins. Es war, als würde das Flüstern direkt aus den Wänden kommen. Immer wechselnd, mal hier und mal dort.
Zwar war das unmöglich, doch änderte das nichts an der Tatsache, dass er es hörte!
Dieses Haus war genau wie damals. Nichts hatte sich geändert, auch wenn er es geglaubt hatte. Oder eher nicht mehr daran gedacht hatte, was einmal war.
Seltsam, wie hatte er all das nur verdrängen können?

Bis zum Morgengrauen verharrte er in seiner kleinen Nische und rührte sich kein Stück.
Erst als die Sonne schon lange aufgegangen war, schlich er nach draußen.

Die Hunde, die ihm entgegen sprangen, beachtete er nicht im Geringsten.

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Das Mädchen – ich

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Falle aus jedem Rahmen

bin das Mädchen ohne richtigen Namen

Trage die Maske bei Tag und auch Nacht

Ertrag das Verstecken, nutze dessen Macht

Denn sehen soll keiner

Wie´s drinnen aussieht

Erstaunen würd mancher einer

Beim wahren Blick auf mich

Lache und rede

Helfe und stehe

Umgeben von Menschen

Schlafe und wache

Doch wenn ich dann wein

dann stets allein

Neue Tage

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Um nicht wieder in dieses Loch zu fallen und auch, um den Schuldgefühlen wegen der alleingelassenen Mutter aus dem Weg zu gehen, stürzte er sich am nächsten Tag in die Arbeit.
So meldete er sämtliche Verträge auf sich um, richtete sich im Schlafzimmer seiner Mutter ein und lichtete das Unkraut im Lieblingsbeet von Heide.
Wie hatte sie doch den Lavendel geliebt. Überall im Haus hingen damals diese kleinen selbstgenähten Beutelchen, aus denen der unverkennbare Fliederduft aufstieg.

flieder

Abends fiel er erschöpft ins Bett, umgeben von seinen schnarchenden Hunden.
Nach drei Tagen hatte er so gut wie alles erledigt und kam langsam zur Ruhe. Nun war das hier Sein.
Und auch wenn es ihm garnicht aufgefallen war, er fühlte sich nicht mehr unwohl in seinem Elternhaus. Doch auch wenn er es bemerkt hätte, so hätte Tom es nur mit einem Schulterzucken abgetan.
Nachts weckten ihn keine seltsamen Geräusche mehr und tagsüber dachte er nicht mehr ständig an seine Wohnung in der Stadt.
Selbst sein Handy und das Notebook blieben aus. Er ruhte in sich selbst und so wollte er es lassen.
Tom fühlte sich wohl. Vorerst.

Um ein wenig vom Ort zu sehen und vielleicht etwas Anschluss an die Bewohner zu bekommen, ging er mindestens einmal am Tag mit den drei Rottweilern durch das Dorf. Einige grüßten ihn, doch die meisten machten einen Bogen um das Gespann.
Lächerlich, dachte Tom sich, die Tiere würden niemals jemandem etwas tun. Aber wenn die Leute nicht wollten, dann war es eben so.

Auch deckte er sich nach und nach mit Lebensmitteln ein, um die Vorratskammer ordentlich zu füllen, wie er es aus seiner Kindheit kannte.

Man konnte ja nie wissen.

Grauen

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Lange saß er da, starrte vor sich hin, ohne wirklich etwas zu sehen.

Nur in T-Shirt und Shorts ging er schließlich vor die Haustür und setzte sich auf die Stufen am Eingang.

Er starrte in den sich beziehenden Himmel und seufzte. Zwar war er noch immer verwirrt, ja fast schon konfus von dem gelesenen, doch die frische Luft half ihm, sich etwas zu entspannen. So hockte er da und hing Gedanken an die Vergangenheit nach. Er merkte kaum, wie die Zeit verging.

Erst als Hektor neben ihm auftauchte und ihn mit seinem riesigen Kopf anstupste, kam er wieder zu sich. Inzwischen war es fast komplett dunkel geworden. Tom riss sich zusammen und taperte zurück ins Haus. Nun merkte er auch, wie kalt ihm war, Gänsehaut bedeckte ihn von Kopf bis Fuß.

treppe

Stürmisch empfingen ihn die Hunde. Seit Stunden hatte er sich nicht um sie gekümmert, dabei waren sie so hungrig.

Also füllte er zunächst die Näpfe und als nur noch das Schmatzen der Tiere zu hören war, nahm er sich frische Sachen aus seiner Tasche und ging ins Bad. Ein Bad würde ihn aufwärmen und entspannen.

Zumindest hoffte Tom das.

Doch so sehr er es auch versuchte, Entspannung fand er nicht. Im Gegenteil, er verspannte sich immer mehr. Langsam schlich er durch das Haus und sah in alle Räume.

Zum Schluss setzte er sich in seinem alten Kinderzimmer auf den Boden und schloss die Augen.

Er konnte regelrecht hören, wie das Haus um ihn herum flüsterte, sich regte und bewegte. Ihm leise seinen Atem ins Genick blies. „Schluss damit“ rief er plötzlich laut, denn ihm machte sein eigenes Verhalten langsam Angst.

Was war denn nur los mit ihm. Seit seine Mutter gestorben und er wiedergekommen war, fiel er mehr und mehr in alte Verhaltensmuster zurück. Tom rief sich selbst zur Vernunft, stand auf und ging ins Erdgeschoss.

Dort fing er an, die Unterlagen zu sortieren und sich Notizen zu machen, was er als nächstes zu tun hatte. Da das Haus nun ihm gehörte, musste er entscheiden, was damit passierte.

Als wäre das eine Frage!

Auch wenn er es hasste, aus tiefstem Herzen verabscheute, so wusste er doch, dass er das Grundstück nicht verkaufen würde.

Bunt (Stifte)

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Kennst du es noch?

Als wir klein waren

Malten ohne Ende

und doch so behände

Grell und hell

Dunkel und grau

All unsere Gedanken

Tropften wie Tau

auf jedes Blatt

Nahmen die Farben

und gaben ihnen Sinn

Ach ich wünsch mich oft wieder dahin

buntstifte

Du <3

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Schon immer hab ich zu dir aufgeschaut

Stets auf deinen Rat vertraut

Dir jedes Wort geglaubt

Und auf dich und dein riesiges Herz gebaut

Was auch kam

Du warst da

Ohne zu fragen

Standest mir bei

Hieltest meine Hand

Ohne dich wär´ich vorm Leben schon oft davongerannt

Kann kaum glauben

dass es dich gibt

Du bist ein Engel

Und ich hab dich lieb

❤ Ich liebe dich Mama ❤

Schlaf

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Mitten in der Nacht

liege ich wach

Horche im Haus auf all das Knarren

Es hält mich leise zum Narren

Und will ich auch schlafen

Sehne mich nach traumloser Nacht

mit solch müder Macht

Will doch nur Ruhe

In Frieden hier liegen

Flattern die Augen

ich kann es kaum glauben

Endlich schlafen