Monat: Mai 2016

Flügelschlag

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Sieh hinauf,   
Alles folgt, so wie das Licht, dem Weltenlauf.         

Die wahren Helden dieser Erde beim Namen nennen,
einfach den Gang der Dinge erkennen,
nicht so leicht,
doch auch der Kleinste kann sich  erheben,
zarte Flügel lassen Herz und Seele   beben. 

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Aus einem einzigen Schlag wird Wind,
wahrer Sturm kommt auf,
stürmt über die Welt mehr als geschwind.

Wenn etwas Großes in der Welt viel bewirken kann,   
so seht doch auch im Winzigen, im Fragilen den Wirbel,  den auch das zierlichste Wesen auslöst irgendwann.

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Verborgene Worte – Teil 2

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Er kroch durch eine niedrige Holztür in die dahinter liegende Abseite. Der Hohlraum zwischen Zimmerwand und Dachschräge bildete  einen kleinen Bereich,  in dem in den meisten Fällen Kisten mit Weihnachtsschmuck,  Luftmatratzen oder altes Spielzeug lagerten.

Dieser spezielle kleine Raum allerdings war Sebastians Reich.      
Denn hier fühlte er sich seit seiner Kindheit geborgen,  auch wenn er seitdem um einiges gewachsen war.                      

Dennoch zwängte er sich immer wieder durch den engen Eingang,  um sich im Schneidersitz auf Decken und Kissen zu auszustrecken. 
Hier, im Schein einer einzelnen kleinen von der Decke baumeln Glühbirne, konnte er  die Welt dort draußen vergessen. 
                                              
Sebastian beugte sich über seinen neuesten Schatz.

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Er hatte einen großen Faible für alles Alte. 
Ob einzelne Fotos,  Bücher,  Medaillen oder ganze Alben,  er fand in Antiquariaten und auf Flohmärkten stets etwas neues Aufregendes.
Diesmal war es ein uraltes Buch.
Vergraben unter abgegriffenen Liebesromanen, Kochbüchern und Zeitschriften hatte er es in einem kleinen Eckladen entdeckt. 

Sofort war seine Neugierde geweckt,  sodass er es auf der Stelle gekauft und auf dem schnellsten Weg nach Hause gebracht hatte.
Nun endlich konnte er es in Augenschein nehmen.                                       
Das schwarze Leder knarzte,  als Sebastian es vorsichtig aufschlug.

Verborgene Worte Teil 1

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„Sebaaastiaaan“ schalte es durch das ansonsten stille Haus. Doch der Gerufene reagierte nicht, denn er konnte es garnicht hören. Mal wieder.
Seufzend machte sich seine Mutter Rita auf den Weg nach oben, um ihn auf diesem Wege zum Essen zu holen.
Als sie die Tür öffnete, schwappte laute Musik wie eine Welle über sie hinweg.
Inmitten eines Chaos aus Zeitschriften, Büchern und Papieren saß ein junger Mann, der vollkommen in sein Tun versunken zu sein schien.
Da sie keine Lust hatte, gegen die dröhnenden Bässe anzubrüllen, schaltete seine Mutter kurzerhand die komplette Anlage aus.

„Ständig muss ich dir hinterher laufen, dabei weißt du genau, wann es hier Essen gibt“, schimpfte Rita. „Also setz dich in Bewegung“. Sebastian hob den Kopf und sah sie aus strahlend grünen Augen an. Dann nickte er und wandte sich wieder seiner eigenen Welt zu.

Später am Nachmittag verdrückte sich er so schnell es ging und rannte nach oben.
Hinter seiner Schlafzimmerwand befand sich sein Heiligtum.