Monat: Juli 2016

Xanthos – Das Ende

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​Steine sind etwas besonderes, stark,  ein Mineral, sie wandeln sich, altern und können sogar wandern. 

 Und so wie die Jahre vergingen, 

so ging Xanthos mit ihnen. Ob aus Fleisch und Blut oder in anderer Zeit aus Stein. 

Es hatte so manche Veränderungen gegeben. Seine Einsamkeit hatte ihn fast wahnsinnig gemacht,  denn nach all den Jahrhunderten hatte die Begegnung mit einem einzelnen kleinen Jungen alles für ihn verändert. Plötzlich war ihm die Leere an seiner Seite wie ein riesiges Loch vorgekommen. 

Doch nicht nur für den Löwen war dieses Treffen voller Nachhall.    

Arvo war an jenem Abend heim gegangen und führte sein Leben von da an ein klein wenig anders weiter.                   

Er ging natürlich weiterhin mit seiner Familie in die Kirche, machte seine Aufgaben und half seiner Mutter, wann immer es zwischen Lernen und Schule möglich war. 

 Abends jedoch, besonders als er größer wurde, lief er so schnell es ging zum alten Krankenhaus und stieg hinauf zu dem alten Wächter. 

Arvo hatte all die Jahre ein klares Ziel vor Augen. Ja,  nach wie vor wollte er Priester werden und in der Kirche der Gegend arbeiten, den Menschen helfen.  Gleichzeitig hatte er aber vorallem einen besonderen Gedanken im Kopf,  der einst auf dem Dach bei Xanthos entstanden war. 

Diesen setzte er dann auch um. 

Kaum das er seine Priesterweihe geschafft hatte, trat er sein Amt an.

Zwei Dinge tat er nach der ersten Predigt.                                                

Zum Einen zog er ins Pfarrhaus der Gemeinde ein und zum Anderen holte er seinen treuesten und ältesten Freund an einen Ort,  der diesem zustand, seiner wahrlich würdig  war.
So wachte Xanthos fortan vom Sims einer riesigen Kirche aus über die Umgebung.

 Und über seinen liebsten Menschen,  Arvo.

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Xanthos Teil 4

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​Kaum hatte er Xanthos entdeckt, lief der Kleine lächelnd zu ihm und sagt:

 „Katze,  schau mal“.     

Ein Lächeln huschte über das pelzige Gesicht des Löwen,  als er den Kopf senkte und sich von seinem Besucher an der Mähne zu dessen Bau führen ließ.  

Stolz zeigte der Junge ihm jede Kleinigkeit und setzte sich dann neben seinen neuen Freund. 

Irritiert von dem kleinen Menschen an seinem Fell fragte Xanthos ihn,  wie er  denn hieße.  Ohne von den riesigen Tatzen vor ihm aufzublicken aufzublicken, antwortete dieser “ Arvo“. 
„Gut Arvo, es war toll ,  dass du hier gewartet hast,  aber nun musst du schnell nach Hause. Deine Eltern vermissen dich bestimmt schon. “
Der Junge sah nachdenklich zu Xanthos auf und nickte dann zustimmend. 
Nachdem er sich mit der Umarmung eines riesigen Vorderbeins von ihm verabschiedet hatte, lief Arvo munter hinaus und verschwand rasch um die nächste Straßenecke. 

Der Löwe wachte von den Dächern aus über seinen sicheren Heimweg und kehrte dann in sein eigenes kaltes Zuhause zurück. 
Während er auf dem Sims des Gebäudes saß und einen letzten Blick auf die Stadt warf,  dachte er wie passend doch der Name des Kleinen war. Arvo bedeutete in alter Zeit wertvoll. Mit diesem Gedanken wurde Fell zu Stein.
Regen perlte  von den Scheiben  und malte Staubblüten in den Dreck von Wochen,  wenn nicht gar Monaten. 

 Seit Tagen rührte sich der große Löwe kaum von seinem Platz.

Doch das war auch nicht nötig,  denn die Gegend ringsum war wie ausgestorben. 

Bis auf einige fette Ratten und  hin und wieder einem Obdachlosen auf der Suche nach einem Schlafplatz war keine Seele zu sehen oder auch nur zu hören. 

So hatte Xanthos genügend Zeit, sein langes wachsames Leben zu bedenken. 

Nicht, dass er es bereute,  es so zu führen,   nur  wollte er nicht länger einsam sein.