Der Berg

Der Berg – Teil 3 -Finale

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Er konnte das Alter dieses Ortes förmlich spüren. Die Wellen des Wassers warfen Reflexionen an die Höhlenwände und gaukelten Bewegungen um ihn herum vor.
Leises Plätschern erklang, wenn das Nass über die Steine am Rande leckte. Kristallklar erstreckte sich ein unterirdisches Reich vor ihm.
Fasziniert starrte Martin seine Entdeckung an.
Stalaktiten rechten sich der Decke entgegen und von oben tropften Rinnsale hinunter.

Nun fiel ihm auch ein Schimmer im hinteren Teil auf. Vom Wasser verzerrt leuchtete irgendetwas bis rauf an die Oberfläche .

Ihm schoß plötzlich der Gedanke durch den Kopf, dass er irgendwie hier wegkommen musste.
Daher bezwang er seinen aufkeimenden Entdeckerdrang und begab sich wieder nach draußen ans Ufer, um nach einem Ausweg zu suchen .

Doch dies war zum Scheitern verurteilt, denn der See befand sich inmitten eines kleinen Kessels, vollkommen abgeschnitten von den zugängigen Kletterpfaden oder anderen Auswegen. Auch waren die verwitterten Wände der Berge ringsherum unglaublich steil, sodass auch diese Möglichkeit wegfiel.
Zwar versuchte er es trotz allem, sah die Sinnlosigkeit seiner Mühe aber bald ein.

Ratlos setzte er sich in der Höhle auf einen Felsbrocken und dachte nach. Nach und nach nahm eine Idee Gestalt an, von der er unterbewusst geahnt hatte, dass sie aufkommen würde. So wahnwitzig sie auch sein mochte.

Seit er das Licht gesehen hatte, wollte er nachschauen, wissen was dort war. Und vielleicht gab es dort auch einen Weg hinaus.

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Eine Alternative gab es in seinen Augen ohnehin nicht. Entweder tauchen und es möglicherweise nicht schaffen oder hierbleiben und früher oder später ohnehin sterben.
Kurz entschlossen entledigte Martin sich der meisten Klamotten und ließ auch den Rucksack zurück.
Er würde ihn nur behindern.
Martin schloß die Augen, holte tief Luft und tauchte mit aller Kraft der Stelle entgegen.
An der Wand hinab, bis er den Eingang eines unterirdischen Ganges vor sich sah.
Schnell zog er sich in diesen hinein und tauchte ins Herz des Berges.
Auch wenn er über eine gute Ausdauer verfügte, so würde der Sauerstoff doch schnell knapp werden. Schon spürte er den steigenden Druck auf dem Brustkorb.
Doch er würde nicht aufgeben.
Noch nicht.

Sein Weg führte ihn durch diesen erstaunlich langen, geraden Tunnel, der bald komplett erfüllt war von strahlendem Licht.

Seine Lungen schrien nach Luft.

Martin lächelte trotz  des unglaublichen Schmerzes und schwamm direkt hinein ins Gleißen. Er war am Ziel.

Als er die Augen öffnete,  war er schweißgebadet, umgeben von zerknautschten Decken und weggeschleuderten Kissen. In seinem Bett.Er war daheim.

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Der Berg – Teil 2 –

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Dann der Aufprall.
Eisige Kälte umgab ihn und drang in seine Lungen.
Augenblicklich sank er wie ein Stein.
Jetzt schlug die Panik zu.
Zu keinem klaren Gedanken fähig, hieb er um sich, versuchte sich zu befreien. Dann wurde ihm schlagartig klar, wo er war.

Unter Wasser.

Luftblasen

Nun endlich übernahm sein Instinkt die Arbeit und er bewegte sich vorwärts. Zwar konnte er nur hoffen, tatsächlich in die richtige Richtung zu schwimmen, aber das war allemal besser als einfach zu ertrinken. Kurz darauf durchstieß sein Kopf die Wasseroberfläche und Martin hustete Wasser und sog hektisch den Sauerstoff ein.

Dann schwamm er mit matten Bewegungen ans Ufer und ließ sich in den Sand fallen. Auch wenn es um sein Leben gegangen wäre, hätte er keinen Muskel rühren können.

Bald jedoch hatte er etwas Kraft gesammelt, sodass er sich aufsetzten und verwundert umsehen konnte. Es war kaum zu glauben, dass er noch am Leben war.
Das, was ihm das Leben gerettet hatte, entpuppte sich als kleiner See, teils verdeckt von überhängenden Felsen.
Der kleine Sandstreifen auf dem er saß, bildete einen Teil des Ufers, während der Rest nur aus Geröll und aufragenden Bergen bestand. Es war unfassbar, auf irgendeine Art und Weise musste er den Hang hinunter gestürzt sein, wobei der Wind ihm genügend Auftrieb gegeben hatte, um im passenden Winkel auf die bewegte Oberfläche des Sees zu treffen.
Anders war nicht zu erklären, daß er nicht tot war. Kopfschüttelnd saß Martin da und konnte es kaum fassen.

Sein Blick wanderte über das Gewässer hin zu dem Felsdach.
Bei genauerem Betrachten schien es eine Höhle zu sein, eine Art Eingang.
Das weckte trotz der Kälte und Erschöpfung in seinen Gliedern seine Neugier.

So watete er durch den seichten Bereich des Sees hinüber und trat vorsichtig durch das steinerne Tor.

Der Berg -Teil 1-

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Hoch und immer höher stiegen die Berge vor seinen Augen auf. Hatte er eine der Spitzen erreicht, so türmten sich vor ihm noch mächtigere Steinformationen auf.

Gipfel um Gipfel erhob sich ein Massiv am Horizont, das seinesgleichen suchte.
Seufzend betrachtete Martin den Boden zu seinen Füßen.
Nur wenig gedieh in dieser Höhe, lediglich bräunliches Moos und einige zähe Sträucher krallten sich hartnäckig in den steinernen Untergrund.

Mit Mühe riss er seinen Blick los und machte sich wieder an den Aufstieg. Dabei sah er immer nur direkt auf den Fels vor ihm.
Denn zu weit hoch oder runter zu blicken brachte nichts gutes, dass hatte er schon vor Stunden gelernt. Erneute Schwindelgefühle wollte er nicht riskieren.

Nach und nach arbeitete sich Martin vor und zog sich schließlich auf eine herausragende Plattform.
Hier konnte er sich zumindest kurzfristig ausruhen, denn durch die immer dünner werdende Luft atmete er seit einiger Zeit viel angestrengter als nzuvor.nature-landscape-mist-sunset-mountain-valley-horizon-cliff-clear-sky-rock-1920x1200

Obwohl er nach wie vor kurzatmig und erschöpft war, erklomm er eine Viertelstunde später schon die nächste Hürde.

Als er einige Stunden später mitten an einer fast senkrechten Wand hing und vom eisigen Wind regelrecht festgesaugt wurde, war er am Ende seiner Kräfte.
Nur die Stürme hielten ihn noch an Ort und Stelle. In dem Moment, als er den Blick hob, um seinen weiteren Weg abzuschätzen, drehte jedoch der Wind.
Aus dem hilfreichen Begleiter wurde Lebensgefahr.

Ehe er sich versah, riß ihn die geballte Kraft des Sogs los und mit sich fort. Umherwirbelt stürzte Martin hinab.

Obwohl es nur Sekunden dauerte, kam es ihm doch wie eine Ewigkeit vor.
Es war, als würde er als außenstehender Beobachter den Fall in die Tiefe mit ansehen, nur mit einem vagen Gefühl von Interesse an dem armen Subjekt.