Xanthos Teil 3

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Xanthos wartete,  bis das Kind im Eingang verschwunden war,  dann fuhr er herum und stürmte Richtung Straße.

Kaum setzte er die Pfoten hinein,  umfing ihn vollkommene Finsternis.

Seine Augen leuchteten in dieser absoluten Dunkelheit auf,  während er wartete und lauschte.

Schon bald hörte er ein leises Geräusch auf sich zukommen,  in dem trotz der Entfernung etwas Schneidendes mitschwang.

Seine Muskeln spannten sich und als der  Ton so nah war,  dass es schmerzte,  schnellte er vor.

Mitten hinein in die Masse aus Krallen und Federn,  die ihn umschloss.

Fauchend schlug er mit den Tatzen durch die Luft.

Darauf erklang ein schrilles Gelächter und riesige schwarzen Vögel                   umschwirrten ihn,  sodass er nur noch stählerne Federn sah.

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Rotglühende Augen starrten Xanthos  boshaft an und verspotteten den Löwen.

Dieser brüllte laut und rief in die darauffolgende Stille : „Verschwindet auf der Stelle! “

Als statt einer Antwort zwei besonders große Exemplare auf ihn zuflogen, schoss er vor und ließ sein Gebiss zuschnappen, sodass nur einige schwarze Federn übrig blieben,  die langsam zu Boden schwebten.

Empört kreischte der restliche Schwarm auf und die Größeren unter ihnen forderten nun das,  was überhaupt der Grund ihres Auftauchens war: Nahrung.

Xanthos wusste aus früheren Begegnungen,  wie verfressen und eigennützig diese Wesen waren.

Gierig, zugleich aber faul und deshalb darauf aus,  jemanden zu finden,  der irgendeine Art von Futter für sie hatte, egal was,  hauptsache viel.  Denn sie waren alles andere als wählerisch.

Angewidert erstickte der Löwe alle    gefiederten Forderungen und ließ ein solch lautes Brüllen  vernehmen,  dass die Rotäugigen verdutzt blinzelten und schließlich beleidigt abzogen.

Nun endlich konnte er zurück.

Wie ein Schatten sprang Xanthos am Gebäude empor und hielt an einem der blinden Fenster inne. Mit geschlossenen Augen nahm er die Witterung des Jungen auf und fand ihn spielend in der großen Eingangshalle.

Während der Löwe sich den allesfressenden Vögeln entgegengestellt hatte,  war hier aus Schutt und Müll eine kleine schiefstehende kindliche Hütte entstanden.

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Flügelschlag

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Sieh hinauf,   
Alles folgt, so wie das Licht, dem Weltenlauf.         

Die wahren Helden dieser Erde beim Namen nennen,
einfach den Gang der Dinge erkennen,
nicht so leicht,
doch auch der Kleinste kann sich  erheben,
zarte Flügel lassen Herz und Seele   beben. 

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Aus einem einzigen Schlag wird Wind,
wahrer Sturm kommt auf,
stürmt über die Welt mehr als geschwind.

Wenn etwas Großes in der Welt viel bewirken kann,   
so seht doch auch im Winzigen, im Fragilen den Wirbel,  den auch das zierlichste Wesen auslöst irgendwann.

Verborgene Worte – Teil 2

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Er kroch durch eine niedrige Holztür in die dahinter liegende Abseite. Der Hohlraum zwischen Zimmerwand und Dachschräge bildete  einen kleinen Bereich,  in dem in den meisten Fällen Kisten mit Weihnachtsschmuck,  Luftmatratzen oder altes Spielzeug lagerten.

Dieser spezielle kleine Raum allerdings war Sebastians Reich.      
Denn hier fühlte er sich seit seiner Kindheit geborgen,  auch wenn er seitdem um einiges gewachsen war.                      

Dennoch zwängte er sich immer wieder durch den engen Eingang,  um sich im Schneidersitz auf Decken und Kissen zu auszustrecken. 
Hier, im Schein einer einzelnen kleinen von der Decke baumeln Glühbirne, konnte er  die Welt dort draußen vergessen. 
                                              
Sebastian beugte sich über seinen neuesten Schatz.

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Er hatte einen großen Faible für alles Alte. 
Ob einzelne Fotos,  Bücher,  Medaillen oder ganze Alben,  er fand in Antiquariaten und auf Flohmärkten stets etwas neues Aufregendes.
Diesmal war es ein uraltes Buch.
Vergraben unter abgegriffenen Liebesromanen, Kochbüchern und Zeitschriften hatte er es in einem kleinen Eckladen entdeckt. 

Sofort war seine Neugierde geweckt,  sodass er es auf der Stelle gekauft und auf dem schnellsten Weg nach Hause gebracht hatte.
Nun endlich konnte er es in Augenschein nehmen.                                       
Das schwarze Leder knarzte,  als Sebastian es vorsichtig aufschlug.

Verborgene Worte Teil 1

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„Sebaaastiaaan“ schalte es durch das ansonsten stille Haus. Doch der Gerufene reagierte nicht, denn er konnte es garnicht hören. Mal wieder.
Seufzend machte sich seine Mutter Rita auf den Weg nach oben, um ihn auf diesem Wege zum Essen zu holen.
Als sie die Tür öffnete, schwappte laute Musik wie eine Welle über sie hinweg.
Inmitten eines Chaos aus Zeitschriften, Büchern und Papieren saß ein junger Mann, der vollkommen in sein Tun versunken zu sein schien.
Da sie keine Lust hatte, gegen die dröhnenden Bässe anzubrüllen, schaltete seine Mutter kurzerhand die komplette Anlage aus.

„Ständig muss ich dir hinterher laufen, dabei weißt du genau, wann es hier Essen gibt“, schimpfte Rita. „Also setz dich in Bewegung“. Sebastian hob den Kopf und sah sie aus strahlend grünen Augen an. Dann nickte er und wandte sich wieder seiner eigenen Welt zu.

Später am Nachmittag verdrückte sich er so schnell es ging und rannte nach oben.
Hinter seiner Schlafzimmerwand befand sich sein Heiligtum.

Xanthos – Teil 2

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Er sah sie aus klugen gold-braunen Augen an und verschwand so plötzlich, wie er gekommen war.

 Mit einem unwilligen Knurren vertrieb er die Erinnerung. Eine von vielen. Es brachte nichts, darüber nachzudenken.
Denn in seinem Herzen wusste er genau, weshalb diese Bilder vor seinem inneren Auge abliefen wie Filme.
Er war allein und dies schmerzte das große Wesen so sehr, dass selbst solch traurige Treffen mit den Menschen ein kleiner Trost waren.

Mit diesen Gedanken erstarrte er vor den ersten Sonnenstrahlen erneut zu Stein.

Laut zwitschernd saß der kleine Spatz auf seinem Platz. Aufgeregt trippelte er nach links und rechts, bis plötzlich der Boden unter ihm zu vibrieren begann.

Empört flog er auf und fing sofort nach der Landung an zu schimpfen.

Das Ziel seiner Beschwerden interessierte sich jedoch nicht im Mindesten dafür.
Xanthos hatte anderes im Kopf.

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Um auf andere Gedanken zu kommen, tigerte er lautlos auf dem Dach umher und musterte die Stadt zu seinen Tatzen.
So entging ihm nicht, dass ein Junge durch die Pfützen hüpfte, vollkommen vertieft in sein Tun und trotz der späten Stunde allein zu sein schien.
Es erschien ihm seltsam, dass das Kind in dieser düsteren Umgebung so unbedarft war.
Xanthos beschloss, ihn im Auge zu behalten und folgte dem Jungen auf der steinernen Umrandung des Gebäudes.

Plötzlich schoss der Kopf des Kindes hoch und es starrte in eine der Seitengassen.
Dem Löwen war sofort klar, was sich da näherte.

 

Er sprang mit zwei großen Sätzen hinab und landete elegant neben dem kleinen Menschen.
Dieser blickte zu dem riesigen Tier auf und sagte mit großen Augen „Hallo, du bist ja eine große Katze.“
So eine Reaktion hatte Xanthos noch nie erlebt. Jedes Mal wenn er einem Menschen den Blick auf sich gewährte, folgten Panik, Ablehnung, Furcht oder der Zweifel an den eigenen geistigen Fähigkeiten. Manchmal auch mehreres davon gleichzeitig.
Und nun ging der Knabe mit ihm um, als sei das Ungewöhnlichste an seiner Erscheinung, dass er größer als eine Hauskatze war.

Doch er überwand sein Erstaunen schnell und grollte: „Schnell ins Haus, lauf!“
Der Junge sah noch einmal zur Straße zurück, die den Löwen so zu fesseln schien und gehorchte dann.

Buchstabenmeer

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Gebleichte Haut voll Pigment,       
erhält so ein unendlich altes Kontingent. 

Unscheinbares Gewand, 
doch strahlend schön,

ging schon durch manche Hand,
von dunkel bis leuchtend erhellt,

bietet Halt in dieser so rasenden Welt,
auf das im Geist ein wenig Ruh ertön‘.                                        
    
Birgt zwischen den Deckeln alles unterm Himmelszelt,
hat die Antwort auf jede Frage,  selbst wenn noch ungestellt.               

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Trotz hohem Alter stets neu erwacht‘,      
widersteht mit stillem Worten aller Zeit,
was je von Menschenhand erdacht‘,                                               
hält für jeden schier endloses Wissen bereit.

ZuHAUS

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Du bist vielleicht nicht riesengroß, 
doch in dir war und ist ständig etwas los  

Hast uns behütet und beschützt,
was auch kam,  dein Dach hat jedem von uns Vieren genützt.

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In dir steckt soviel Arbeit und auch  Kraft,
das ist es,  was dich unaustauschbar macht.

Im Laufe der Jahre hat sich dein Gesicht so manches Mal gewandelt,
gingst stets mit, folgtest der Hand,  die mit Stein und Holz umsichtig handelt.

Wir sehen in dir unser Heim,
auch wenn wir teils woanders leben,
Zuhause wird immer bei dir sein,
denn solch‘ Geborgenheit kann nur selten ein Ort geben